Wedding Pale Ale – Das Hochzeitsbier

ArneVeröffentlicht von

Wieso ein Hochzeitsbier?

Im Mai ist es soweit. Da geben meine bessere Hälfte und ich uns das „Ja“-Wort. Das ist aber eine ganz andere Geschichte und soll hier ausnahmsweise nicht behandelt werden. In diesem Blog-Beitrag soll es um das sogenannte „Give-Away“ gehen. Wer nicht weiß, was das ist, soll sich mal an die Zeit der Kindergeburtstage erinnern. Dort wurde den Kindern auch immer was mit auf dem Heimweg gegeben. Das war zumindest bei mir im hohen Norden aufm Dorf in den 80gern so. Nun gut, scheinbar hat sich das bei Hochzeitsfeiern auch etabliert. Soll mir recht sein. Was gibt man also Männern mit auf dem Heimweg? Genau! Ein Hochzeitsbier.

Und nun kommt Claus ins Spiel. Es soll ja schließlich nicht irgendein Bier sein; sondern was besonderes. Und da brauche ich Hilfe. Ich habe zwar auch schon einige leckere Biere gebraut, doch mit Claus seinem Equipment,  sind Braufehler so gut wie ausgeschlossen und ich muss mir nicht spontan kurz vor der Hochzeitsfeier eine Alternative ausdenken, wenn das Bier ungewollt nach Gemüse schmeckt oder nicht richtig perlt. Außerdem schaffen wir so 20 Liter in einem Abwasch.

Also habe ich mich Mitte März (2017) mit meinem restlichen Bestand an Malz, Hopfen, leeren Flaschen und ein bisschen Hefe auf den Weg zu Claus gemacht und wir haben dann die Maische rotieren lassen.

Aber nun darf der Braumeister erstmal zu Wort kommen.

Die Ausrüstung

Ok dann spiele ich jetzt mal die Rolle des Braumeisters. Damit hier kein falscher Eindruck entsteht möchte ich das von Arne erwähnte Equipment, zuerst ertwas näher beschrieben. Gemaischt und gekocht wird mit einem Einkochautomat von „Proficook“. Damit man nicht dauernd selber Rühren muss hab ich irgendwann ein einfaches Rührwerk gebastelt. Geläutert wird in einer einfachen lebensmittelechten Kunststoffbox, wie man sie in jedem Möbelhaus oder Baumarkt kaufen kann und einem Panzerschlauch aus dem der Gummischlauch entfernt wurde. Damit das Kochen der Würze mit den 1800 W besser funktioniert habe ich dem Einkocher noch eine Haube verpasst.

Jetzt aber zu Arnes Give-Away. Er hat sich ein Bier im Stil eines IPA gewünscht doch wie es mit Wünschen oft so ist,… lasst euch überraschen. Als Give-Away für echte Männer durfte es natürlich auch etwas hochprozentiger sein. Als Richtwert haben wir ca. 7 vol. % angestrebt. Da wir nicht künstlich aufzuckern werden wird es wohl eher Richtung Bockbier mit ordentlich Hopfen gehen. Was könnte besser zu Arnes Hochzeit passen…ein Bock kommt unter die Haube!

Folgendes Rezept sollte uns zum Ziel führen:

MalzHopfen
50% Pale Ale MalzMagnum Hopfen (13% Alpha)
24% Pilsener MalzHallertauer Tradition (3,8 % Alpha)
16% Wiener MalzCascade (5,4% Alpha)
10% Cara HellMandarina Bavaria (8% Alpha)
0,5% Pale Chocolate Malz

Damit das Bier schön klar wird haben wir noch etwas Irish Moss hinzugegeben und dabei handelt es sich nicht um Papas Rasierwasser.

Auch Wasser ist nützlich

Da das Ingolstädter Wasser nicht besonders gut für helle Biere geeignet ist, haben wir uns unser Brauwasser selbst gemischt. Dazu haben wir sogenanntes Osmosewasser mit dem Wasser aus der Leitung verschnitten und zusätzlich noch nach unseren Vorstellungen aufgesalzen. Da es ein Bock-IPA werden sollte haben wir uns an den Wasserwerten von Burton-upon-Trent (Stadt in England) orientiert. Dieses besonders salzreiche Wasser soll hopfenbetonte Biere besonders gut stehen.

Da auch der PH-Wert der Maische eine große Rolle spielt wurde zuerst mal das PH-Messgerät kalibiert. Hierzu taucht man die Elektrode einfach in zwei Kalibrierflüssigkeiten mit einem PH-Wert von 7 und 4. Mit einem kleinen Schraubenschlüssel wird nun zuerst der sogenannte Nullpunkt auf 7 kalibiert und anschließend in unserem Fall der PH-Wert von 4, da sich unsere Maische eher im sauren Bereich bewegen wird. Will man dagegen den PH-Wert in alkalischen Flüssigkeiten messen, so sollte man den zweiten Wert bei einem PH-Wert von 10 kalibrieren. Unser Leitungswasser hat nebenbei erwähnt einen PH-Wert von ca. 7,2. Das Optimum für die Enzyme in der Maische liegt dagegen im leicht sauren Bereich von 5,4 – 5,6.

 

Das Einmaischen

Nachdem das Wasser soweit vorbereitet war, gings ans Einmaischen. Der sogenannte Hauptguss war auf die gewünschte Temperatur aufgeheizt. In unserem Fall waren das 60°C. Unter ständigem Rühren haben wir nun das gesamte Malz in den Braukessel geschüttet. Im Hinblick auf das gewünschte hochprozentige Ergebnis mussten wir schon einiges an Getreide in den Kessel schütten. In Summe waren es am Schluss stolze 6.150 g Malt auf knapp 15 Liter Wasser. Damit hatte die Maische eher die Konsitenz von Haferbrei statt von Hochzeitsbier. Das Rührwerk hat jedoch brav seine Arbeit verrichtet. Der Motor dafür stammt übrigens aus einem VW-Golf und zieht wenn es sein muss bis zu 10A bei 12 Volt. Ja genau, das macht also 120 Watt. Gerastet wurde mit einer sogenannten Kombirast bei 67°C für ca. 60 min.

Die Jodprobe

Um sicher zu gehen, dass die Enzyme auch wirklich die gesamte Stärke im Getreide in Zucker umgewandelt haben, wird die sogenannte Jodprobe gemacht. Hierzu nimmt man einfach etwas Flüssigkeit aus der Maische und träufelt einige Tropfen Jod dazu. Um zu zeigen wie es nicht aussehen soll haben wir hier einfach mal ein bisschen Mehl, welches bekanntermaßen ja quasi nur aus Stärke besteht mit ein paar Tropfen Jod vermischt. Wie man deutlich sieht, hat sich das Jod schwarzblau verfärbt. Das Jod reagiert also mit Stärke und zeigt dem Brauer, dass noch nicht alles an Stärke zu Zucker umgewandelt wurde. In diesem Fall muss die Rast noch etwas verlängert werden. Im unteren Bild seht ihr dagegen, dass die Enzyme fleißig waren und die gesamte Stärke in Zucker umgewandelt haben. Das Jod verfärbt sich somit nicht und bleibt stattdessen braun. Falls man trotz positiver Jodprobe abmaischt läuft man Gefahr einen sogenannten Blausud zu fabrizieren. Dieser kennzeichnet sich durch seine mehlige oder schleimige Konsistenz. Das wollte Arne den meisten Gästen natürlich nicht zumuten und somit haben wir uns gleich zweimal vergewissert ob auch wirklich keine Verfärbung zu sehen ist. Also auf zum nächsten Arbeitsschritt! Es wird abgemaischt und langsam nimmt das Hochzeitsbier die richtige Konsistenz an.

Das Abmaischen

Ich denke, hierzu kann ich (Arne) wieder eine Kleinigkeit schreiben, da sich der Vorgang nicht wesentlich zu dem Abmaischen meiner improvisierten Brauanlage unterscheidet. Wie Claus schon erwähnte, ist der Läuterbottich so einfach wie funktional. Box, Hahn und Panzerschlauch. Wenn ihr genau hinseht, könnt ihr eine Schlauch am Hahn sehen, der nach oben gerichtet ist. Diese Konstruktion war mir neu. Aber Claus hat wirklich jeden kleinen sinnvollen Tip umgesetzt, den er erhaschen konnte. Aber wenn ich mich richtig entsinne, hat es was damit zu tun, dass sich kein Unterdruck bildet und somit verhindert wird, dass die Schwebstoffe mit „Sog“ an den Panzerschlauch gezogen werden und diesen zusetzen. Mit Zuluft von oben fließt das nun ganz geschmeidig ohne zu hetzen. Bevor wir den Rest aus den Proficook direkt in den Läuterbottich kippen konnten, haben wir fast alles mit einem Messbecher rübergeschaufelt. Also Hahn auf und aufpassen, dass der Treber nicht trocken läuft. Die ersten beiden geläuterten Liter haben wir nochmal auf den Treber gegeben,
da ein bisschen viel Gerste in der Maische schwebte.

Die Stammwürze

Ein erster Test mit dem Refraktometer ergab einen überraschend guten
Stammwürzegehalt von 26° Brix. 
Wir haben uns entschlossen, noch ca. 5 Liter kochendes Wasser aus dem Wasserkocher zusätzlich über den Treber zu geben, um die Menge und Stammwürze an meine Wünsche anzupassen und den restlichen Zucker auszuwaschen. Bei einer Stammwürze von 8° Brix von der tröpfelnden Würze stoppten wir die Nachgüsse und pressten mit einem Topfdeckel den Treber noch ein bisschen aus. Gut gemacht Claus! Oder was sagst du?  Ja genau Arne damit kann man arbeiten! Der Sud wurde anschließend noch 90 Minuten lang wallend gekocht. Zum Schluss hatten wir ca. 20 Liter mit 18,5 °Brix. Das Foto rechts zeigt übrigens den Blick durch ein sogenanntes Refraktometer. Es zeigt den Zuckeranteil in der Würze. Je höher die Stammwürze desto stärker wird das Bier und meistens auch umso süßer. Ab 18 °Plato darf das Bier als Doppelbock bezeichnet werden. Inzwischen haben wir das Ergebnis bereits verkostet und ich kann sagen wir haben den Bock abgeschossen.

Der Hopfen

Trotz der hohen Stammwürze wollten wir nicht auf eine ordentliche Menge Hopfen verzichten. Hier galt es Arnes Vorgabe von 70 IBU zu erreichen, was schon relativ ungewöhnlich für einen Doppelbock ist. Als normal gelten hier ca. 30 IBU. Ans Ziel sollten uns gut 30g der Sorte Magnum, 6g vom Aromahopfen Cascade, 10g Hallertauer Tradition und schließlich noch fast 20g Mandarin Bavaria. Somit sollte unser Hochzeitsbier nicht nur den Herren schmecken. Wir dürfen gespannt sein ob sich der Hopfen gegen die Übermacht von 18,5° Stammwürze durchsetzen kann.

Die Gärung

Bis es aber soweit ist heißt es erst mal warten. Jetzt darf erst mal die Hefe ran. Die S-04 (müsste eigentlich FCB heißen bei dem was sie kann) hat sich ordentlich ins Zeug gelegt und innerhalb von 3 Tagen nahezu den gesamten Zucker in Alkohol und CO2 umgewandelt. Dazu haben wir die abgekühlte Würze in einem Gärbehälter bei ca. 18°C stehen gelassen. Oben drauf sieht man das Gärröhrchen, welches mit einer Mischung aus Alkohol und Wasser gefüllt ist. Das CO2 kann somit leicht entweichen ohne dass im Gegenzug Verunreinigungen in unsere Würze gelangen können. Über den Ablasshahn wird das Jungbier nach Abschluss der Gärung in Flaschen abgefüllt. Damit das Bier später beim Trinken eine gewisse Spritzigkeit hat, muss beim Abfüllen noch eine geringe Menge Zucker mit in die Flasche. Die Hefe wird diesen Zucker nun wieder zu CO2 und Alkohol umwandeln, nur dass das CO2 dieses Mal nicht mehr entweichen kann. Es lagert sich stattdessen im Bier ab und sorgt später für die gewünschte Spritzigkeit. Da es sich bei unserem Bier allerdings um ein Bockbier handelt, fällt die sogenannte Carbonisierung relativ gering aus.

Die Abfüllung

Abgefüllt wurde der Bock in 0,33 Liter Flaschen, damit auch wirklich jeder ein Fläschchen abbekommt. Um eine unnötige Schweinerei zu vermeiden haben wir dazu ein kleines Abfüllröhrchen verwendet. Am Ende dieses kleinen Helfers befindet sich ein einfaches Ventil das sich bei Druck auf den Flaschenboden öffnet. So waren die knapp 20 Liter in kurzer Zeit abgefüllt.

Das Schlusswort

Nach gut 9 Wochen halte ich endlich das Geschenk für meine Gäste in den Händen. Es ist schon ein nettes Gefühl, was Einzigartiges gemacht zu haben, was auch noch gut schmeckt. Und damit es auch gut aussieht, haben wir die Flaschen mit einem Label versehen, damit man auch weiß, was man trinkt: Ein herrliches vollmundiges ‚Wedding Pale Ale‘ mit einer angenehmen rot bräunlichen Farbe. Prost!

 

 

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