Bier selbst brauen – Einfach mal ausprobieren

ClausVeröffentlicht von

Was braucht Mann dazu?

Eigentlich braucht man nicht viel um ein trinkbares Bier herzustellen. Ich nenne es bewusst „herstellen“, denn je nachdem für welche Methode du dich entscheidest, hat es mehr oder weniger mit Brauen zu tun. Für mich persönlich macht das stetige Verbessern und tüfteln an meiner Ausrüstung einen erheblichen Anteil an der Freude aus. So werden gleich zwei männliche Bedürfnisse befriedigt, der Durst und der Lego-Instinkt.

Ich gebe euch in den folgenden Zeilen einen kurzen Überblick über den groben Ablauf. Falls ihr euch entscheidet einen Versuch zu starten, empfehle ich dringend vorher mal eine der schönen bebilderten Braudokumentationen auf dem Hobbybrauerforum zu lesen (Link siehe unten).

Möglichkeit 1: Brauen mit Würze aus der Dose

Die einfachste Möglichkeit um Bier herzustellen ist sich eine bereits fertige Würze aus der Dose zu bestellen. Diese sirupartige Flüssigkeit wird dann nur noch mit Wasser verdünnt und zusammen mit der gewünschten Menge Hopfen gekocht. Nachdem die Würze abgekühlt ist, wird die Hefe zugegeben. Sobald der Gärvorgang abgeschlossen ist, kann das fertige sogenannte Jungbier abgefüllt werden. Damit das Bier später auch Kohlensäure hat, gibt man noch eine kleine Menge Zucker in jede Flasche. Die Hefe verwandelt den Zucker nun in Alkohol und CO2. Da das CO2 nicht entweichen kann, wird es im Bier gebunden. Bei der Methode 1 überspringt man also zwei entscheidende aber auch aufwendige Arbeitsschritte, das sogenannte Maischen und das Läutern.

Methode 2: Selbst Maischen und Läutern

Diese Methode würde ich nun tatsächlich als „brauen“ bezeichnen. Mann bestellt sich in einem von diversen Onlineshops das benötigte Malz. Mit Malz ist Getreide gemeint, welches in einer Mälzerei vorbehandelt wurde. Das Getreide wird dort zum Keimen gebracht und anschließend so stark erhitzt, dass der Keimvorgang gestoppt wird (Darren). Die bei der Keimung entstandenen Enzyme verarbeiten später die Stärke zu Zucker und anderen Nebenprodukten. Wenn ihr nicht zufällig eine Schrotmühle zu Hause habt, achtet darauf das Malz bereits geschrotet zu bestellen.

Schritt 1: „Maischen“

Das Malz wird mit einer gewissen Menge Wasser (Hauptguss), welches zuvor auf eine bestimmte Temperatur erhitzt wurde, vermischt. Dieses Gemisch aus Wasser und Malz wird als Maische bezeichnet. Die Maische hält man nun auf bestimmten Temperaturen. Diesen Vorgang bezeichnet man als „Rasten“. Je nach Rezept werden unterschiedliche Rasten benötigt. Eine Rast ist also eine Pause auf einer gewissen Temperaturstufe.

Schritt 2: „Läutern“

Irgendwie muss man nun die Maische von den festen Bestandteilen trennen, schließlich will Mann am Ende Bier trinken und nicht Brot backen. Damit wären wir also beim sogenannten „Läutern“ angekommen. Je nach Ausrüstung kann dieser Vorgang sehr zeit- und nervenraubend sein. Es gibt diverse Vorrichtungen um sich das Leben so einfach wie möglich zu machen. Wer genug Zeit und Nerven mitbringt, kann es auch mit einer Stoffwindel versuchen. Es wird funktionieren…aber langsam. Wer keine Lust dazu hat, der muss sich entweder ein sogenanntes Läuterblech kaufen oder selbst eine Vorrichtung basteln. Das Läutern an sich funktioniert aber immer gleich. Die heiße Maische wird in den Läuterbehälter umgefüllt. Je nach Läutervorrichtung eben auf das Läuterblech oder in die Stoffwindel. Die Windel dient also als eine Art Filter, welche nur die Flüssigkeit durchlässt. Da aber noch sehr viel von dem guten Zeug in der Maische festsitzt, wird die Maische nochmal mit heißem Wasser ausgespült. Man schüttet also nochmal heißes Wasser von oben auf die Maische in der Stoffwindel. Diese heiße Wasser nennt man Nachguss.

Schritt 3: „Kochen“

Die Flüssigkeit die man nun mühevoll im Läuterbehälter gesammelt hat, nennt sich Würze, genauer gesagt Vorderwürze. Die Vorderwürze wird nun zusammen mit Hopfen gekocht. Dadurch wird das in der Würze gelöste Eiweiß ausgefällt. Außerdem verdampfen unerwünschte Stoffe und die Aromen und Bitterstoffe aus dem Hopfen gehen in die Würze über.

Schritt 4: „Whirlpool“

Jetzt ist es Zeit für den Whirlpool. Erst wird die heiße Würze schnell gerührt, bis ein Strudel entsteht und dann holt man sich zwei hübsche Nachbarinnen und setzt sich mit Ihnen in die heiße Würze.  Nein natürlich nicht! Der Strudel in der Würze nennt sich Whirlpool und dient dazu, dass sich das ausgefällte Eiweiß und alle anderen Schwebstoffe schön in der Mitte des Topfes absetzen. Mit euren Nachbarinnen setzt ihr euch lieber in die Badewanne. Die Würze wird nun in einen Gärbehälter umgefüllt. Dabei sollte so wenig wie möglich von dem Schmodder, der sich am Boden abgesetzt hat in den Gärbehälter gelangen.

Schritt 5: „Hefe“

Nachdem die Würze abgekühlt ist, wird die Hefe zugegeben. In dem luftdicht verschlossenen Gärbehälter darf die Hefe nun den Zucker zu Alkohl, CO2 und diversen Nebenprodukten verarbeiten. Über einen Gärverschluss ist sichergestellt, dass das CO2 raus kommt aber nichts anderes rein.

Schritt 6: „Abfüllen“

Wenn die Hefe fertig ist, kann das Jungbier in Flaschen abgefüllt werden. Damit es später auch schön spritzig ist, gibt man am einfachsten in jede Flasche ein paar Gramm Zucker. Dieser wird von der Hefe wieder in CO2 usw. umgewandelt. Da das CO2 dieses Mal nicht entweichen kann setzt es sich im Bier ab. Der Brunftschrei nach jedem Schluck wird also ausreichend Weibchen anlocken.

Prost!

Nach ca. 4 Wochen könnt ihr euer Bier trinken. Falls ihr jetzt tatsächlich Lust habt euer Bier selbst zu brauen kann ich euch empfehlen sich mal durch die unten stehenden Links zu klicken. Es gibt einige Foren die sich nur mit diesem Thema beschäftigen. Ein guter Einstieg um an das notwendige Equipment zu kommen sind sogenannte Brausets. Hier ist bereits eine Grundausstattung enthalten und ihr könnt direkt loslegen. Was die Arbeit ungemein erleichtert ist ein sogenannter Einkochautomat. Damit lässt sich die Temperatur der Maische beim rasten einfach regeln. Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass ihr euren Brauvorgang beim zuständigen Zollamt anmelden müsst. Das ist aber sehr unkompliziert und kostet auch kein Geld solange ihr gewisse haushaltsübliche Mengen einhaltet.

Links:

  • Ein sehr gutes Forum mit sehr erfahrenen Hobbybrauern findest du hier.
  • Sämtliche Zutaten kannst du zum Beispiel hier oder hier bestellen.
  • Eine gute Seite für allerlei nützliche Berechnungen rund ums brauen findest du hier.
  • Falls du gerne selbst an deiner Ausrüstung bastelst findest du hier eine große Auswahl an Material
  • Auch ganz interessant ist dieser Film, der zeigt warum es inzwischen auch im privaten Bereich erlaubt ist Bier zu brauen.

Viel Spaß beim Ausprobieren

Euer Claus

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